26. EPIG-Treffen in Heidelberg vom 28. April bis 1. Mai 2016

Matthias Appelt & Jochen Bockemühl

26th Annual EPIG Convention in Heidelberg, 28 April – 1 May 2016. This year’s Annual Convention began with a joint dinner in the evening of Thursday, the 28th of April. On Friday morning, 29th of April, we met at the auditorium of the Centre for Organismal Studies (COS) situated near the Botanical Garden of the University of Heidelberg. After a welcome presented by the Curator of the Garden, Dr. Andreas Franzke, three lectures were given. Rudolf Heßing-Herick reported on “30 years of epicactus hybridization” where he explained the objective of his studies and demonstrated the hybridizing results by instructive pictures. He was followed by Dr. Ralph Mangelsdorff who presented a digital slide show on “Epiphyllum in its natural habitat and in cultivation”. Ralph discussed the still dissatisfying taxonomy of this genus and reported that according to recent molecular studies Epiphyllum anguliger, E. crenatum and E. lepidocarpum have to be transferred to the genus Disocactus (Cruz et al., Willdenowia 46: 145-164; http://www.bioone.org/doi/full/10.3372/wi.46.46112). The third presentation was given by Christof Nikolaus Schröder on the “Werner Rauh Heritage Project” whose Coordinator he is. The aim of the project is the evaluation of the diary records of Prof. Dr. Werner Rauh, the former Director of the University Institute of Botany and the Botanical Garden Heidelberg, who had left behind 90 notebooks with a total of 8776 handwritten pages on his over 30 botanical expeditions to South America and Africa. Finally, Uli Haage explained some modifications of our website on www.epig.org. After lunch the group took a walk along the Neckar River back to the hotel. In the evening the Convention continued with the general meeting. The DVD edition of the EPIG journal volumes 1989 – 2005 (ISSN 2364-4486) can now be ordered (see section “Aktuelles” > “EPIG Jahrgänge 1989 – 2005 auf DVD” on this site for details). – On Saturday morning, the 30th of April, we gathered for a stroll across the river Neckar to visit the Botanical Garden on a tour guided by Christof Nikolaus Schröder. He explained that the garden ranks among Europe’s oldest dating back to 1593. Founded as a medical garden it hosts today, among others, vast collections of neotropical orchids, many type plants and living accessions of Werner Rauh’s heritage. Current research projects include the conservation and renaturation of Dianthus spec. Our hosts, Niko Schröder and Kornelia Dieckmann, Chief Gardener of the Succulent Division, granted us sufficient time to see this unique plant collection! – After the dinner buffet the renowned EPIG party took place at the Convention Center near our hotel during which many plants and cuttings found a new home. – Sunday, the 1st of May, was designated for individual touristic plans complementing another successful EPIG Convention. (Abstract by the authors)

 

Das diesjährige EPIG-Treffen, für das rund 40 Anmeldungen vorlagen, fand vom 28. April bis 1. Mai 2016 in Heidelberg statt. Mit tatkräftiger Unterstützung von Horst Kündiger und Kirsten Pfeiffer hatte es unser Leiter Tobias Pfeil wieder hervorragend organisiert. Die meisten Teilnehmer reisten im Laufe des Donnerstag, 28. April an und nahmen an einem gemeinsamen Abendessen im Ortsteil Eppelheim teil.

Am Freitag, 29. April, trafen wir uns morgens im Hörsaal des Centre for Organismal Studies (COS) auf dem Gelände des Botanischen Gartens der Universität Heidelberg. Nach einer Begrüßung durch Herrn Dr. Franzke, den Wissenschaftlichen Leiter des Botanischen Gartens, sprach Rudolf Heßing-Herick über „30 Jahre Epikakteenzüchtung“. Er stellte seine Züchtungsziele vor und demonstrierte die Etappen seiner langjährigen züchterischen Arbeit mit anschaulichen Bildern. Als besonderes „Schmankerl“ verteilte er auch noch Stecklinge seiner Hybriden! Danach hielt Dr. Ralph Mangelsdorff einen Vortrag zum Thema „Epiphyllum am Standort und in der Kultur“. Er zeigte die Schönheit der Blüten und diskutierte die nach wie vor unbefriedigende Taxonomie dieser Gattung, aus der nach neuesten molekulargenetischen Untersuchungen die Arten Epiphyllum anguliger, E. crenatum und E. lepidocarpum der Gattung Disocactus zugeordnet werden müssen (Cruz et al., Willdenowia 46:145-164; http://www.bioone.org/doi/full/10.3372/wi.46.46112). Als dritter Vortragsredner sprach Christof Nikolaus Schröder über das von ihm koordinierte „Werner Rauh Heritage Project“. Ziel dieses Projektes ist die Aufarbeitung des schriftlichen Nachlasses von Prof. Dr. Werner Rauh, der auf seinen über 30 Expeditionen nach Südamerika und Afrika Beobachtungen und Feldnotizen auf 8776 Seiten in 90 Arbeitsheften niedergeschrieben hat. Zum Schluss stellte Uli Haage seine Vorschläge für eine Modernisierung unserer Homepage auf www.epig.org vor. – Nach einem gemeinsamen Mittagessen ging es auf einem längeren Spaziergang am Neckar entlang wieder zurück in unser Hotel. 

Am Abend fand dann die Mitgliederversammlung im griechischen Restaurant „Olympia“ statt. Eines der besprochenen Themen war die von Horst Kündiger erstellte DVD mit den EPIG-Ausgaben von 1989 – 2005 (siehe EPIG Nr. 75; ISSN 2364-4486), die bei unseren Mitgliedern eine recht gute Nachfrage gefunden hat. Bei insgesamt sehr guter Wiedergabequalität der Druckseiten im pdf-Format verfügt sie über ein Sach-, Abbildungs- und Autorenregister und manche s/w-Graphik in der gedruckten Ausgabe ist am Computer sogar farbig dargestellt! – Im Zuge der Öffentlichkeitsarbeit repräsentierte Prof. Dr. Jochen Bockemühl zusammen mit Rudolf Tröster die EPIG mit einem Infostand bei der Jahreshauptversammlung der Deutschen Kakteengesellschaft (DKG) am 11./12. Juni 2016 in Dettelbach bei Würzburg. Tobias Pfeil konnte mit Unterstützung von Christiane Czypionka, Uli Haage und Florian Weida die EPIG mit einem weiteren Stand bei der Raritätenbörse am 6. Juni 2016 im Botanischen Garten Jena vorstellen. Zur Sprache kam auch die Auswahl der Orte für unser Jahrestreffen. Für 2017 konnte inzwischen der Berggarten Hannover vom 28.-30. April gewonnen werden.

Am Samstagvormittag, 30. April trafen wir uns im Foyer des Tagungshotels Chester zum gemeinsamen Spaziergang auf die andere Neckarseite mit der Heidelberger Altstadt und unserem Ziel, dem Botanischen Garten. Dort wurden wir von Christof Nikolaus Schröder erwartet, der zunächst einführende Worte zur Geschichte der Einrichtung sprach. Die Universität Heidelberg wurde 1386 gegründet und der Botanische Garten als Medizingarten der Medizinischen Fakultät im Jahr 1593. Er ist damit einer der ältesten Botanischen Gärten Europas. Ursprünglich in der Nähe des Schlosses gelegen befindet er sich seit 1915, dem Baujahr des Eingangspavillons, an seinem jetzigen siebten Standort. Nach großen Kriegsschäden mit weitgehendem Verlust der Pflanzenbestände bereicherte der Botaniker Prof. Dr. Werner Rauh als langjähriger Leiter des Gartens mit seinen weltweiten Exkursionen, die ihn 1954 erstmals nach Peru und Ecuador führten, die Lebendsammlungen und durch seine Lehrtätigkeit als Ordinarius am Institut für Systematische Botanik und Pflanzengeographie die wissenschaftliche Forschung. Heute existieren noch etwa 1.200 von Werner Rauh gesammelte Lebendakzessionen im Botanischen Garten, die somit teilweise seit 55 Jahren in Kultur sind. Darunter sind auch viele Typuspflanzen der Originalaufsammlung, nach denen neue Arten (z. B. der Gattung Tillandsia) beschrieben wurden, die mit einem roten Etikett versehen sind. Bei Pflanzen mit nur dreistelligen Rauh-Sammelnummern handele es sich um „Zollpflanzen“, d. h. um bei illegalen Importversuchen durch den Zoll beschlagnahmte Pflanzen, die an den Botanischen Garten abgegeben wurden. Weiterhin befindet sich auch eine Vermehrung der Rhipsalideen-Sammlung von Prof. Dr. Wilhelm Barthlott in Kultur, die früher im Botanischen Garten Bonn beheimatet war. Aktuelle Forschungsobjekte sind beispielsweise Pfingstnelken (Dianthus spec.), von denen es Arterhaltungs- und Forschungskulturen gibt sowie Projekte zu deren Renaturierung (Auswilderung).

Angesichts prächtiger Ceratostema rauhii-Typpflanzen (Ericaceae) aus Peru wies Herr Schröder auf die Bedeutung der Mykorrhiza (Bodenpilze) hin, die mit den Heidekrautgewächsen eine Co-Evolution durchlaufen haben. Daher sei bei Stecklingsvermehrung für eine erfolgreiche Kultur stets auch etwas Muttererde der Stammpflanze zu verwenden.

Die in zwei Gruppen aufgeteilte Führung durch die Gewächshäuser mit der vorbildlich gepflegten, umfangreichen Sammlung war dank der engagierten und kenntnisreichen Führung durch Herrn Schröder und der Reviergärtnerin des Bereichs Sukkulenten, Frau Kornelia Dieckmann, ein wahrer Genuss! Erwähnt sei hier auch die mehrere Häuser umfassende riesige neotropische Orchideensammlung. Zum Abschluss wurde unserem Mitglied Wolfgang Krahn vom Botanischen Garten noch ein Typklon der nach ihm benannten Peperomia wolfgang-krahnii verehrt!

Nach dem gemeinsamen reichhaltigen Abendbüffet in unserem Hotel trafen wir uns zur EPIG-Party im benachbarten modernen Tagungszentrum. Der geräumige Veranstaltungsraum mit zeitgenössischer Kunst bot eine ideale Kulisse für die reichhaltige Pflanzenbörse, bei der viele gespendete Exemplare ihren Besitzer wechselten, darunter der „Star“ des Abends, ein „Disocactus spec. nov. mit gelber Blüte“.

Vom sonntäglichen Frühstück am 1. Mai gestärkt, stand der Tag zur individuellen touristischen Verfügung, z. B. für einen Besuch des Schlosses, eine Schifffahrt auf dem Neckar oder einen Ausflug zu einer Kakteengärtnerei, bevor die Teilnehmer mit den neuen Raritäten und Eindrücken die Heimreise antraten.

Das diesjährige EPIG-Treffen war wieder ein besonderes botanisches Ereignis. Wir möchten deshalb an dieser Stelle nochmals unseren Organisatoren und Referenten für die mühevolle und gelungene Vorbereitung und Durchführung danken. Besonderer Dank gilt unseren Gastgebern, und hier vor allem Niko Schröder und Kornelia Dieckmann, für ihr Engagement, ihre Geduld und die Sachkenntnis, mit der sie uns die Pflanzensammlung des Botanischen Gartens präsentiert haben. Es war ein eindrucksvolles Erlebnis!

Matthias Appelt
matthias.appelt@alumni.uni-ulm.de

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